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Mehrlagiger Messergriff

Eine Anleitung von Thomas.

Am Anfang steht entweder eine Idee, die aus einer Fundlage entstammt, oder eine Klinge .


Fundlage

Rohe Klinge

Wenn man eine Klinge hat und diese scharf ist, dann sollte man diese umgehend mit Panzerband abkleben, um die Verletzungsgefahr zu minimieren.
Der Wunsch nach einem Messer entwickelt sich dann in einem Gespräch und die Planung endet meist mit einer Skizze, wie man sich das Messer vorstellt .


Am Ende dieser Planung stehen im Grunde Materialien fest, die verwendet werden sollen, bspw. Eiche oder Zwetschge als Holz und als Kontraststück in der Mitte ein Stück Knochen vom Geweihstück. Dieses soll im Zieldurchmesser noch als solches erkennbar sein und muss daher die feine Maserung noch behalten. Als Grifflänge werden 110 mm angepeilt, sodass jedes Holz und das Knochenstück eine Länge von ca. 30 mm haben kann.
Die Klinge war vom Schmied bereits mit kleinem Radius am Übergang von Klinge in Heft gearbeitet und kann so bleiben. Hierauf muss geachtet werden, um spätere Risse zu vermeiden.
Um beim endgültigen Schleifen ausreichend Reserven zu haben, gebe ich immer Material am vollen Durchmesser zu. Das bedeutet, dass ich alles dicker wähle als das dickste Stück des Griffes. Hier das Ende an der unteren Seite.
Das Zielmaß für die Höhe des Griffes ergibt sich aus der Klingenbreite, die gemessen werden kann.

Die Dicke des Griffes entsteht aus dem Schleifen und dem Hand-Griff der späteren Besitzerin.
Passende Stücke aus Messing und Holz werden vorbereitet und die Trennschichten (hier in rot) werden in entsprechender Anzahl zugeschnitten.
Als Trennschicht benutze ich „Vulkanfiber“, das ist ein harter hornähnlicher Werksttoff aus in Epoxidharz getränkten Gewebestücken, von denen es verschiedene Farben und Dicken gibt. Außer dekorativ zu wirken hat dieser Werkstoff noch die Eigenschaften, dass er das Arbeiten von Holz und anderen Werkstoffen auffängt bzw. abdämpft.

Messing und Holz werden so gebohrt und gefeilt, bis sie saugend auf das Heft der Klinge passen, dies kann immer wieder probiert werden und so ausgetestet, ob die Teile auf die Klinge passen.

Ich markiere immer die Seite der Teile des Griffes, die zur stumpfen Seite des Messers kommen soll mit einem Strich, damit es einfacher wird, die Teile korrekt zu montieren, auch wenn mal eine Woche Zeit zwischendurch ist, in der man nichts macht.

Weil das letzte Holzteil über das Ende des Heftes übersteht, bohre ich hier nur ein Loch in entsprechender Tiefe und klebe das Ende auf. Hier habe auch auf einen Saugenden Schluss geachtet. Man kann zur Steigerung der Verbindung das Klingenheft noch mit Kerben versehen.
Wenn alle Teile fertiggestellt sind und sie in gewünschter Form auf das Heft der Klinge passen geht’s ans Kleben.


Ich verwende hierzu Epoxydharz, da ich hiermit gute Erfahrungen gemacht habe. Man kann natürlich auch für die A-Variante Birkenpech nehmen, da dies aber nicht sichtbar sein wird, nehme ich o.g. Harz.
Spätestens zum Kleben sollte man die Klinge abkleben, damit man diese nicht mit dem Kleber verschmutzt. Beim Auflegen der Messingscheibe verklebe ich diese mit der Klinge, damit dort kein Kleber austritt. Dann immer dünn Kleber aufbringen und nächste Schicht auflegen. Immer drauf achten, dass die Mitte auch mit verfüllt ist. Wenn alles montiert ist, dann spanne ich alles zwischen zwei Platten ein und lasse es dort mindestens 24 Stunden trocknen.


Wenn das abgewartet ist, dann wird geschliffen bis die Daumen glühen oder der Schleifstein oder der Tellerschleifer, je nach Griffform. Je nach Schleifart geht’s dann schneller aber Vorsicht: Das Harz mag keine hohen Temperaturen. Wer´s übertreibt, dem schmilzt sein Messer unter den Händen weg. Also – wie im echten Leben – mit Gefühl! Auch die Herren!
Wenn fertig geschliffen ist, muss nur noch das Messing poliert werden und das Holz mit Bienenwachs oder mit Öl etwas bearbeitet, damit das Finish gefällt.
Besondere Griffformen oder –enden sind immer etwas komplizierter zu fertigen. Gehen aber irgendwann auch.
Zum Schluss bohre ich dann noch die beiden 2 mm Löcher in das Ende und klebe dort eine Messingschlaufe mit 2 mm Drahtstärke ein. Diese mache ich mit unterschiedlichen Längen der Enden, damit es sich besser montieren lässt. Man kann dann erst das eine einfädeln und dann das zweite.
Das Ergebnis kann sich dann in der Regel sehen lassen.

Wachsgießen

Für unsere Beleuchtung nutzen wir gern wir Talglampen. Es wurden Talglampen aus Ton und aus Metall gefunden.
Sie werden mit einem glühenden Stück Kohle als Docht befeuert und brennen mit heller leuchtender Flamme.
Als Brennstoff benutzen wir Wachsreste, die wir von Bekannten und Verwandten sammeln lassen.

Die Wachsreste sind aber recht unansehnlich und mit Restdochten versehen, sodass wir sie lieber zu Wachsbarren schmelzen.

Bunte_Reste

Sicherheit

Heißes Wachs und Wasser sind zusammen sehr gefährlich.
Wachs auf der Herdplatte führt zu giftigen Dämpfen, die hochentzündlich sind. Berührung von heißem Wachs führt zu schlimmen Verbrennungen.
Alles schön mit Zeitung oder Folie abdecken, denn Wachs macht schwer zu reinigende Flecken. Das gilt auch für Kleidung.

Schritt 1

Zunächst baut man sich aus 2 Töpfen oder Topf und Blechdose oder ähnlichem ein Wasserbad. Wir haben einen schwarzen alten Emailletopf, der gut in einen Kochtopf passt. In dem inneren Topf kann man nun die Wachsreste einschmelzen. Sobald alles geschmolzen ist, gleich den inneren Topf herausheben, denn je kühler das Wachs bleibt, desto schneller wird es auch wieder hart und umso weniger kann man sich verbrennen.

Wachs_einschmelzen

Schritt 2

Aus dem geschmolzenen Wachs sollte man die gröbsten Verschmutzungen entfernen. Das geht mit einer Gabel oder einem Schöpflöffel.  Wenn man noch feiner säubern will, kann man es auch durch ein Leinentuch abgießen.

Schritt 3

Man bereitet sich eine Gussform vor. Wir verwenden Backbleche, da wir am Ende ja kleine Barren bzw. Klötze haben wollen. Die Bleche werden mit gelben Säcken ausgelegt. Wenn das Wachs nicht zu heiß hineingegossen wird, halten die Säcke problemlos.

Blech_mit_Sack

Nun das Wachs vorsichtig einfüllen und abkühlen lassen.

Frisch_gegossen

Schritt 4

Bevor das Wachs ganz ausgekühlt ist, schneidet man mit einem Messer die gewünschten Klötze vor.

Dann lässt man das Wachs auskühlen und kann es anschließend ablösen und stapeln. Erfolgt das Stapeln im noch warmen Zustand, so bildet sich Kondenswasser und schlimmstenfalls verkleben die Klötze wieder.

Geschnitten
geschnitten_Bunt

Fertig ist der Brennstoff, der bei Bedarf in die Talglampen nachgelegt werden kann.

Man kann auch kreativ werden und das Wachs in Formen für Kerzen gießen und bei flachen Kerzen die Dochte der Reste wiederverwenden.

Kerzen_gegossen

Fibel aus Buntmetall

Diese Anleitung funktioniert für Buntmetall-Fibeln oder kleine Drahtfibeln. Je nach gewünschter Größe der Fibel sollte man sich auch das Material dafür aussuchen. Es gibt in gut sortierten Baumärkten Kupferdraht bis zu einem Querschnitt von 6mm und das genügt für Umhangfibeln. Messingdraht gibts meist nur beim Fachhändler.

Fibel_vorderseite1

1. Schritt

Oft wird Draht mit Isolationsschicht verkauft, diese kann man gleich entfernen.
Zunächst sucht man sich einen festen runden Gegenstand, um den man den Draht wickeln kann. Der Gegenstand sollte möglichst den Durchmesser haben, den später auch die Innenseite der Fibel haben soll.
Für eine Umhangfibel eignet sich ein runder Bauklotz oder für etwas kleinere Fibeln ein Besenstiel. Schmiede benutzen hierfür das Horn des Amboss.
Um diesen Gegenstand wickelt man nun das eine Drahtende und kann dies mit leichten Hammerschlägen unterstützen. Der Hammer für solche Arbeiten mit Kupfer oder Messing sollte eine polierte Oberfläche haben, denn jede Macke zeichnet sich später im weicheren Metall ab. Alternativ kann man für Buntmetall einen Hartholz- oder Aluminiumhammer verwenden.
Mit einem Seitenschneider oder einer Drahtschere schneidet man jetzt ungefähr einen Dreiviertelkreis bis vollen Kreis des Drahtes ab (je nachdem, welche Enden man an der Fibel machen will).

2. Schritt

Die Enden der Fibel können viele Formen bekommen. Eine einfache Möglichkeit ist, die Enden zu plätten und dann abzurunden. Wer mag kann auch, damit die Nadel nicht herunterfallen kann, die Enden noch hochbiegen.

Fibel_Enden

Kompliziertere Enden wären das Auflöten von Würfeln oder Tierköpfen sowie das Wickeln von Schnecken.

3. Schritt

Für die Nadel spitzt man das eine Drahtende an. Das geht mittels Feilen oder Treiben. Die Nadel sollte nicht zu spitz sein, denn sonst zersticht sie den Stoff später. Leicht abgerundet schiebt sich die Nadel zwischen die Fäden.

Fibel_Nadelspitze

Dann längt man den Draht ab, sodass er ordentlich über die Fibel hinaussteht. Das noch unbehandelte Ende wird platt gehämmert und anschließend um die Fibel gebogen.

Fibel_Nadelbefestigung

Zum Schluss

Nochmal ordentlich aufpolieren und nochmal richten und fertig ist die Fibel.

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Fibel_vorderseite

Es gibt natürlich wahnsinnig viele verschiedene Möglichkeiten der Verzierung. Die Enden der Fibel können variiert werden, die Fibel kann man oval machen, den Draht kann man erst zu einem Drei- oder Vierkant hämmern und dann tordieren und so weiter. Ebenfalls ist ein dünnerer Draht für die Nadel denkbar.

Viel Spaß dabei.

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Knut! Kleiderhaken und Holzquirl

Weihnachten ist vorbei und der nadelnde Tannenbaum fliegt aus der guten Stube. Um daraus einen Quirl oder Kleiderhaken anzufertigen, braucht man:

  • einen grob vorbereiteten Tannenbaum, bei dem bereits die Äste gekappt wurden und nur noch die Hauptäste stehen
  • eine Säge 
  • ein Schnitzmesser
  • Schmirgelpapier und eventuell Leinöl
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Zuerst werden die Astquirle erst einmal separiert. Oberhalb wird etwas Stamm belassen.

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Dann heißt es schnitzen. Die Rinde wird mit einem scharfen Messer weggeschnitten. Tadaaa – drei Kleiderhaken im Rohzustand und ein Küchenquirl!

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Diese Sachen läßt man nun trocknen und schleift sie anschließend mit Schmirgelpapier glatt. In die Kleiderhaken bohrt man oben in den langen Teil noch ein Loch und zieht einen Lederriemen zur Befestigung hindurch. Wer mag, kann dem Holz mit Leinöl etwas mehr Wetterfestigkeit verleihen, beim Quirl ist das sehr sinnvoll.

Rohhaut-Laterne

Auch nach Sonnenuntergang noch Licht für diverse Tätigkeiten zu haben, ist eine praktische Sache. Eine Rohhaut-Laterne erfüllt diese Funktion auf Lager gut. Diese Laternenart wird auch Visby-Laterne genannt und lässt sich nicht durch frühmittelalterliche Funde nachweisen. Weit verbreitet waren stattdessen Talglichter. Trotzdem möchten wir euch hier eine Bastelanleitung zur Verfügung stellen.

Material:

  • ein Brett, vielleicht 1,5 cm stark, idealerweise aber gut getrocknete Baumscheiben, für Boden und Deckel
  • Holzleim
  • mehrere Stöcke
  • etwas Rohhaut (hier eignet sich auch einer dieser Kauknochen für Hunde – die sollte man aber erst in Wasser einweichen und gucken, ob auch genügend große Rohhautstücke abfallen)
  • ein Akkubohrer mit Lochaufsatz oder gute Schnitzfähigkeiten
  • ca. 30 cm Metalldraht für die Aufhängung

Anleitung:

  • Rohhaut in einem Eimer mit Wasser einweichen
  • in Boden und Deckel der Lampe gleichmäßige gegenüberliegende Vertiefungen für die seitlichen Stöcke bohren und sie einpassen
  • Öffnungen mit dem Lochaufsatz in den Deckel bohren (dabei den späteren Kerzendurchmesser als Orientierung nehmen)
  • mittig in den Boden einen Drahtstift/kleinen Nagel einschlagen und den Kopf abknipsen als Spieker für die Kerze
  • jetzt einmal die Laterne zusammensetzen und prüfen, ob alles passt, sonst nacharbeiten
  • die Enden der Stöcke mit Holzleim einstreichen und mit Oder- und Unterteil zusammen stecken, trocknen lassen
  • die Rohhaut als Schirm um den Laternenkörper legen und mit Zwirn locker vernähen
  • den Drahthenkel an zwei der Seitenstöcke befestigen und die Enden umbiegen
  • Kerze rein, anzünden und freuen!
       

Lederflasche

Lederflaschen sind im römischen Reich und im Spätmittelalter historisch und archäologisch belegt. Leider gibt es aus der Wikingerzeit im nordischen Raum keinen Fund.
Lederflaschen sind aber in vielen Situationen sehr vorteilhaft, und werden auf den meisten Märkten nicht abgelehnt.

Schritt 1

Erstmal sollte man sich gutes Leder besorgen. Am besten ist naturgegerbtes Rohleder, da dieses sich auch wirklich mit Wasser härten lässt.

Man zeichnet eine Schablone, abhängig von der Größe des Lederstückes oder von der Wunschgröße für die Flasche

Flasche_Schablone

Es gibt viele Formen der Lederflaschen. Wir machen hier eine ganz simple kugelförmige Flasche aus 2 Teilen. Es gibt Flaschen mit eingesetztem Boden, trapezförmige oder sogar fassförmige. Immer ist darauf zu achten, dass der Flaschenhals lang genug wird, um später einen Verschluss aufzunehmen. Rechts und Links des Halses habe ich noch Laschen für die Befestigung einer Lederschnur vorgesehen.    

Schritt 2

Die Form wird aus dem Leder zwei Mal ausgeschnitten, die zweite Seite spiegelverkehrt, damit nachher alles passt.

Flasche_Leder

Schritt 3

Die Lederteile müssen vernäht werden. Am besten eignet sich dazu Kunstsehne, gewachstes Leinengarn oder Flachsgarn. Genäht wird mit dem Sattlerstich, damit die Naht schön dicht wird. Ich habe Die Lederteile vorgelocht, das kann man mit einer Ahle oder einer Lochzange machen.

Flasche_vorgelocht
Flasche_Genht

Schritt 4

Das fertig genähte Lederteil wird in Wasser gelegt und sollte mindestens eine Stunde oder länger darin einweichen, damit es schön vollgesogen ist.

Schritt 5

Die nasse Lederform jetzt mit trockenem Sand stopfen. Der Sand sollte unbedingt trocken sein. Hilfreich sind ein Trichter und ein „Stopfer“. Man kann mit dem Sand gut die Form der zukünftigen Flasche bestimmen.

Die mit Sand gefüllte Flasche sollte dann möglichst bald in den Ofen.

Flasche_Sand2

Schritt 6

Der Ofen sollte mit 50 °C vorgeheizt sein. Die Flasche kann man gut auf einen Rost oder Blech mit Backpapier legen. Beachte: Umluft verbrennt das Leder, also nur Ober- und Unterhitze benutzen. Zwischenzeitlich kann man die Klappe ab und zu kurz öffnen, damit die Feuchtigkeit schneller entweichen kann.

Flasche_Backofen

Wenn die Flasche wieder vollständig trocken ist, sollte das Leder schon deutlich härter sein und die Flasche kommt aus dem Ofen heraus.

Schritt 7

Der Sand wird möglichst vollständig aus der Flasche entfernt. Die Form der Flasche sollte ja nun erhalten bleiben (zumindest, wenn man nicht zu grob ist). Die Flasche wird nun mit heißem Bienenwachs innen ausgeschwenkt und auch von außen benetzt (Man kann auch die Außenseite zuerst mit Bienenwachs bedecken und die noch mit Sand gefüllte Flasche in den Backofen legen, sodass das Wachs glatt wird. Erst anschließend wird die Innenseite ausgeschwenkt).

Flasche_Glattbrennen

Schritt 8

Ein geschnitzter Holzkorken (leicht trapezförmig) kann nun als Verschluss angepasst werden und wenn gewünscht mit einem Lederband gegen das Verlieren gesichert werden. Als Tragegurt wird noch ein Lederband in die Laschen geknüpft und fertig ist die Flasche.

Flasche_fertig

Zunder

A: Aus Rohrkolben

Schritt 1: Materialgewinnung

Das Ernten des Rohrkolbens ist manchmal nicht einfach. Die Suche nach einem Vorkommen kann sich schon schwierig gestalten, weil der Schilfrohrkolben meist in Naturschutzgebieten oder am Dorfweiher steht, wo man nicht unbedingt ernten sollte. Mittlerweile gibt es den Rohrkolben aber auch in vielen Privatgärten oder eben auch auf Feld und Flur. Ob der Rohrkolben unter Naturschutz steht, ist vom Standort abhängig und sollte vorher in Erfahrung gebracht werden. Man sollte auf jeden Fall nicht alle Kolben ernten, sondern auch noch einige für die Bestandserhaltung belassen. Zum Abschneiden reicht eine Schere oder Messer. Abreißen ist meist nicht so gut, da kann es passieren, dass die Rohrkolben frühzeitig „platzen“ und der Samen verfliegt. Schilf wächst oft am Ufer oder im Wasser, deshalb ist Vorsicht geboten, dass man nicht hineinfällt. Die Rohrkolben können von Oktober bis Dezember geerntet werden. Der beste Zeitpunkt ist nach dem ersten ordentlichen Frost.

Schilfrohrkolben

Schritt 2: Vorbereiten und Waschen

Die Rohrkolbensamen müssen von dem Strunk gelöst werden. Das macht man am Besten in einer Tüte, in einem Karton oder unter Wasser, da die Rohrkolbensamen sonst herumfliegen. Achtung: Die Rohrkolben „explodieren“ förmlich beim Brechen. Die Samen sollte man dann alsbald mit Shampoo oder Waschmittel waschen. Das verhindert den Befall durch Ungeziefer und wäscht die Schutzschicht gegen Wasser von den Samen. Dazu einfach eine Schüssel mit Wasser und Waschmittel bereitstellen und die Samen darin kneten. Anschließend kann man die Samen in einen Jutebeutel geben und auswringen. Falls die Samen zwischengetrocknet werden sollen, geht man wie bei Schritt 4 vor. Gut auswringen reicht aber, wenn die Bearbeitung gleich weitergeht.

Rohrkolbenplatzer

Schritt 3: Nitrieren

Jetzt wird der Samen mit einer Salpeterlösung getränkt. Eine bis zu 20%ige Lösung ist sinnvoll (weniger tut es auch). Standard sind also bis zu 50g Kaliumnitrat (Salpeter) auf 200ml Wasser. Das Kaliumnitrat bekommt man in der Apotheke oder im Fachhandel. Der Umgang ist nicht ungefährlich, da es brandfördernd ist. Die Samen in der Lösung ordentlich durchwalken und bis zu 24 Stunden durchziehen lassen. Ich habe nur so viel Salpeterlösung angesetzt, wie eben nötig war, um die Samen damit einzuweichen, dann erspart man sich das Auswringen und man spart Kaliumnitrat.

Schritt 4: Trocknen

Die Samen werden mithilfe eines Leinenbeutels ausgewrungen. Den Rest der Kaliumnitratlösung kann man wiederverwenden oder verdunsten lassen, dann bilden sich wieder die Kristalle. Zum Trocknen kann man die Samen auf Zeitungspapier ausbreiten oder im Beutel etwas lockern und hängend trocknen lassen. Die Samen täglich wenden, durchmischen und weiter auseinanderzupfen. Die Trockenzeit kann bis zu 14 Tage dauern. Anschließend sind die Samen wieder wie Watte und der Zunder ist fertig.

B: Aus Zunderpilz

Schritt 1: Materialgewinnung

Zunderpilz gehört in den meisten Gebieten zu den geschützten Arten und darf nicht geerntet werden. Also sollte vorher in Erfahrung gebracht werden, ob das Sammeln erlaubt ist. Der Zunderpilz wächst auf toten Bäumen, meist auf Buche, Eiche oder Birke. Er lässt sich relativ leicht abbrechen. Vorheriges Abklopfen auf Hohlräume verhindert, dass man geschützte Käferarten stört, die den Pilz als Nahrungsquelle und Brutkasten benutzen. Nur massive Pilze sind für den Zunder geeignet.

Schritt 2: Gewinnung der Trama (Fruchtfleisch)

Der Pilz muss nun von seiner Außenrinde befreit werden. Das geht gut mit einem scharfen Messer. Dann muss der Holzansatz an der Rückseite entfernt werden. Es lässt sich nur schwer schneiden, aber Herausbrechen ist möglich. Die Reste kann man dann wieder mit einem scharfen Messer abschnitzen. Der Röhrenkörper an der Unterseite ist schneidbar, aber kann sich genauso sträuben, wie der Rest des Pilzes auch, deshalb ist auch hier Vorsicht geboten. Handschuhe sind empfehlenswert. Jetzt hat man das Fruchtfleisch des Pilzes vor sich, einen wildlederartigen unförmigen Knubbel. Diesen kann man in 8-10mm dicke Scheiben schneiden.

Schritt 3: Nitrieren

Die Trama wird mit einer Salpeterlösung getränkt. Eine bis zu 20%ige Lösung ist sinnvoll (weniger tut es auch). Standard sind also bis zu 50g Kaliumnitrat (Salpeter) auf 200ml Wasser. Das Kaliumnitrat bekommt man in der Apotheke oder im Fachhandel. Der Umgang ist nicht ungefährlich, da es brandfördernd ist. Die Trama in der Lösung einlegen und mindestens 24 Stunden durchziehen lassen.

Schritt 4: Klopfen und Trocknen

Die Tramastückchen aus der Lösung herausholen und mit einem Holzhammer vorsichtig austreiben. Die Scheiben werden zu dünnen Blättchen geklopft und dabei die Feuchtigkeit schon weitestgehend entfernt. Das kann am Anfang etwas spritzen. Die ca. 1mm dünnen Blättchen dann zum Trocknen auf eine Zeitung legen. Wenn sie trocken sind, ist der Zunder fertig.

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Rundschild

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Schildgröße

Die erste zu klärende Frage ist: Wie groß soll der Schild sein? Je nach gewünschtem Einsatz ist das Maß abhängig von der Körpergröße und individuellen Vorlieben. Hier sollen drei typische Schildgrößen vorgestellt werden:

  • Zweikampfschild – mittelgroß, Fingeransatz bis Achselhöhle (bei 1,8m Körpergröße sind das ca. 65cm).
  • Großer Buckler – klein, Fingeransatz bis Ellenbeuge.
  • Schlachtenschild – groß, Kinn bis ca. Mitte Oberschenkel (bei 1,8m Größe sind das ca. 82cm Durchmesser).

Zum Trainieren ist ein Zweikampfschild ein guter Kompromiss zwischen Schutz und Bewegungsfreiheit – also ein Schild zwischen 50-70 cm Durchmesser je nach Körpergröße. Mit einem solchen Schild lassen sich die meisten Techniken ohne Probleme durchführen, er verzeiht aber auch mal eine nicht so gute Deckung.

Material

  • Schildplatte aus Sperrholz – 6mm Pappelholz ist ein guter Kompromiss aus Gewicht und Härte. Wer meint, das bricht zu schnell, kann auch schwereres Birkensperrholz nehmen. Bei großen Schilden eher 8mm stark (6mm reicht aber eigentlich auch). Im Baumarkt gibt es manchmal zwei verschiedene Versionen von Pappelsperrholz. Beim Zuschnitt das Material besser vorher zeigen lassen und das Brett mit 5 Holzschichten auswählen.
  • Leinen – robuster Vollleinenstoff. Die Menge je nach Stoffdicke, generell 3x die Schildoberfläche.
  • (sehr viel) Ponal oder ein anderer wasserfester Holzleim.
  • Holzgriff (Leiste, Ast, Werkzeugstiel).
  • Schildbuckel – 2mm stark, alles darunter geht auf die Sicherheit der Schildhand.
  • Große Vierkantstahlnägel (ca. 60 mm lang) oder Nieten und Unterlegscheiben zur Befestigung des Buckels und des Griffs. Als Nieten kann man einfache Stahlnägel verwenden.
  • Rohhaut – Zum Schutz des Schildrandes und in der Länge des Umfangs des Schildes. Aufgerollte Rohautstreifen gibt es im Hobbybedarf, alternativ kann auch leder verwendet werden.
  • Zum Befestigen der Rohhaut: Festes Garn, Sehne oder kleine Vierkantnägel.

Bauanleitung

Schildkörper

Und am Anfang stand das Sägen. Ein Fadenzirkel hilft beim Einzeichnen des Schildumfangs. Für das Loch in der Mitte, auf das der Buckel kommt, reicht eine normaler Zirkel. Zum Aussägen eignen sich am besten eine elektrische Stichsäge und 2 helfende Hände. Mit der Stichsäge lässt es sich gut auf dem Boden arbeiten, einfach etwas unter das Sperrholz legen, so dass das Sägeblatt nicht auf den Boden kommt. Optional die Platte mit Schraubzwingen auf zwei Arbeitsböcken befestigen (darauf achten, dass beim Sägen die Böcke nicht beschädigt werden). Die Kanten sollten anschließend von Graten und von Splittern befreit werden. Wer möchte, kann den Rand auch ganz rund schmirgeln.

Als nächstes kommt das große Kleben. Gut geschmirgelt, trocken und so fettfrei wie es geht verteilt man den Holzleim mit einem Japanspachtel oder ähnlichem Gerät. Dabei kann man den Leim einfach auf den Schild gießen und mit dem Spachtel verteilen. Auf das nun „weiße“ Holz wird der Leinen gelegt und gespannt. Dabei von der Mitte zum Rand hin mit der Hand den Stoff glattstreichen. Um sicher zu stellen, dass der Stoff flächenhaft aufliegt, empfiehlt es sich, den Leinenstoff mit einem Nudelholz oder ähnlichem richtig anzupressen und so mögliche Hohlräume zwischen Leinen und Holz zu beseitigen. Wurde der Leinenstoff vorher gewaschen, sollte dieser wieder glattgebügelt werden. Alternativ kann man auch mit einer nassen Bürste den Stoff glattbürsten. Dadurch wird der Holzleim noch einmal flüssiger und dringt besser in den Stoff ein. Wahlweise kann der Leinen auch mit einem Leim-Wassergemisch bestrichen werden. Da Pappelsperrholz aber selbst nicht Wasserfest verleimt ist, sollte der Holzleim nicht zu stark verdünnt werden. Die Kombination aus Leinen und Leim gibt dem Holz die Oberflächenstabilität (Stichfestigkeit), die es selbst nicht hat.

Für einen Linienschild ab 75cm sollte man vorne zwei Schichten Leinen aufbringen und eine weitere auf der Rückseite. Dazu lässt man die erste Schicht trocknen und leimt die zweite Lage wie oben beschrieben über die erste drüber. Auf die Rückseite kann man den Stoff natürlich schon aufleimen, während die Vorderseite noch trocknet. Die überstehenden Leinenreste am Rand können abgeschnitten werden und die Schnittkanten verschwinden später unter der Rohhaut.

Rohhautrand

Ist der Stoff drauf und getrocknet, geht es an den Schildrand. Hier gibt es 2 grundsätzliche Methoden, die Rohhaut zu befestigen. Möglichkeit 1 – Festnähen, Möglichkeit 2 – Festnageln. Beide sind ähnlich gut und halten. Bei beiden Verfahren wird die Rohhaut vorher mit Wasser eingeweicht. Die Haut dabei nicht zu weich werden lassen, sondern nur so weit, dass sie sich gut verarbeiten lässt.

  • Festnähen: Hier werden in ca. 1 cm Abstand vom Rand kleine Löcher in regelmäßigen Abständen (ca. alle 2-3cm) in den Schild gebohrt. Anschließend wird die Rohhaut im Doppelzugverfahren angenäht.
  • Festnageln:. Auch hier sollten die Löcher für die Nägel vorgebohrt werden, wobei die Abstände deutlich größer sein dürfen (ca. alle 5-10cm). Während die Rohhaut unter Spannung gehalten wird, schlägt man die Nägel von vorn durch die Rohhaut, dann durch das Loch und anschließend erneut durch die Rohhaut. Danach biegt man die Nagelspitze ein wenig zur Schildmitte und schlägt den Nagel abschließend in die gleiche Richtung um, so dass die Spitze sicher im Holz einhakt.

Um ein gleichmäßiges Anpressen des Randes beim Nageln zu gewährleisten, kann man jede Aufwölbung der Rohhaut mit Leimzwingen und kleinen Holzbrettchen anpressen. Den meisten Druck und damit auch die meiste Festigkeit (in Verbindung mit dem Holzleim) bekommt man jedoch, wenn man die Rohhaut mit Leisten bzw. Brettern und Schraubzwingen fixiert. Nach einer Stunde ist der Leim so weit trocken, dass man die Zwingen wieder lösen kann. Ein ordentlich festgeleimter Rohhautrand schützt am besten vor schneller Abnutzung durch „hakelnde“ Äxte.

Griff und Buckel

Kommen wir zum Griff. Dazu werden hier zwei Möglichkeiten vorgestellt.

  • Dachlatte: Mit einem Schnitzmesser und ein wenig Geschick eine etwa Schilddurchmesser lange Dachlatte in der Mitte handschmeichelnd zurecht schnitzen. Die Enden abrunden, glatt schleifen und anschließend auf den Schild leimen und nageln/nieten. Um etwas Gewicht zu sparen, reicht es auch, wenn das Griffstück gerade so lang ist, dass es mit dem Schildbuckel zusammen festgenagelt werden kann.
  • Ast: Ein Stück Ast, der gut in der Hand liegt, tut es auch. Diesen an den Enden auf einer Seite glätten/abfeilen und an das Loch für den Schildbuckel anpassen. Anschließend aufleimen und festnageln/nieten.

Als Letztes fehlt dem Schild nur noch der Buckel. Wenn Nägel verwendet werden, sollten die Löcher im Buckel so klein sein, dass die Nägel 1/3 vor dem Kopf hängen bleiben. Schlägt man diese später ein so verformen sie sich passgenau zum Loch. Beim Nieten sollten die Löcher natürlich so breit sein, das die Nieten genau reinpassen. Im Schild und im Griff werden die Löcher vorgebohrt. Der Schildbuckel hat oft schon vorgebohrte Löcher, entweder vier oder sechs. Zwei der Buckelnägel können den Griff mit fixieren. Je nach Länge des Griffs, wird dieser mindestens mit zwei zusätzlichen Nägeln oben und unterhalb des Buckels befestigt. Mit Nieten läuft das ganze genauso ab. Beim Einschlagen der Nägel die Spitze anschließend abbiegen und den Nagel in die gleiche Richtung im Holz verhaken. Dabei aufpassen, dass die Nägel auf der anderen Seite nicht wieder herauskommen. Das Nageln und Nieten immer auf einer festen Unterlage durchführen.

Fertig!

So erhält man einen Schau- und Freikampf-geeigneten Schildrohling, nicht aus Planken, aber dafür im Sport händelbar. Authentische Schildbemalungen bestanden wohl oft aus geometrischen Feldern, Kreisen und Punkten, aber man kann je nach Einsatzzweck auch kreativ werden, solange man darauf achtet, nicht versehentlich das Motiv einer Reenactmetgruppe zu imitieren (siehe unsere Schildgalerie). Das wär’s soweit mit unserer Methode. Viel Spaß mit den Schilden!

Blech-Topf

Einen Topf zu bauen ist eigentlich nicht schwer. Eine mögliche Form ist ein zylinderförmiger Topf mit gewölbtem Boden.

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1. Schritt

Zunächst sollte man sich überlegen, welches Volumen der Topf haben soll. Als Vorbild kann man die Töpfe nehmen, aus denen man täglich kocht. Wenn man das Volumen ausgewählt hat, kann man sich die restlichen Maße ausrechnen.

Ein Beispiel: Topf für 2 -3 Personen
Gewünschter Inhalt 3Liter (=3000cm³)
Eigentlich würden 2 Liter reichen, aber die Suppe soll ja nicht immer heraus schwappen, somit brauchen wir etwas mehr Spielraum.
Da wir einen Zylinder berechnen, gilt
Volumen V = Grundfläche Kreis A ( = pi * r²) multipliziert mit der Höhe h.
Ein Topf in der Form sollte eine Höhe haben, die 1,5 mal dem Radius entspricht. (h = 1,5 * r)
Also ergibt sich die Volumenformel: V = pi * r³ * 1,5
Umgestellt nach r und bei V = 3000 cm³ ergibt sich: r = (3000 cm³ / (1,5 * pi) )^1/3 = 8,6 cm
Für h ergibt sich damit h = 1,5 *r =13 cm
Für die Seitenwand braucht man jetzt noch den Umfang U = 2 * pi *r
Also U = 2 * pi * 8,6 cm = 54 cm

2. Schritt

Aus den errechneten Maßen können wir nun die Blechgrößen bestimmen. Die Blechdicke sollte zwischen 1 und 2 mm liegen, optimal wäre 1,5 mm Blech. Wenn unterschiedliche Dicken vorhanden sind, sollte man den Boden aus dem stärkeren Blech machen.
Zum Radius des Bodens sollte man noch etwa 1,5 cm hinzugeben, zum Umfang der Seitenwand 3 cm und zur Höhe noch 1 cm. Die Zugaben benötigen wir zum Biegen bzw. als Überlappung zum Nieten und zum Bördeln.

Für unser Beispiel ergibt sich eine Ronde mit Radius 10 cm und ein Seitenwandblech mit 14 x 57 cm².

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3. Schritt

Nun biegt man die Ronde an der Seite mit einem großen Radius hoch und die gesamte Ronde damit zu einer Schale. Das geht  leicht mit etwas Wärme, einem Kugelhammer und passendem Gesenk. Die entstandene Schale darf fast eine Halbkugel werden. Wichtig ist, dass der äußere Rand am Ende auf 1,5 cm senkrecht ist und in der Mitte des Bodens noch eine glatte Fläche erhalten bleibt, damit der Topf nachher nicht immer umkippt. Je mehr der Boden des Topfes eine Halbkugel ist, desto besser verteilt sich die Wärme später im Inhalt (weniger Anbrennen); je platter der Boden, desto standfester ist der Topf.
Bei dieser Arbeitsollte man immer wieder kontrollieren, wann der gewünschte Durchmesser am oberen Rand erreicht ist.

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4. Schritt

Das Biegen der Seitenwand ist leichter. Zunächst bördelt man eine der langen Seiten um. Dazu das Blech auf eine stabile Kante legen und mit einem Hammer den ersten Schritt machen. Die zweite Biegung kann man ebenfalls mit dem Hammer machen oder mit einer Zange. Wichtig ist, dass die Biegung nun mehr als 90° hat. Im letzten Schritt klopft man den Rand endgültig um, sodass eine abgerundete Kante entsteht. Man kann beim letzten Schritt auch noch einen dünnen Draht in die  Kante legen, dadurch wird die Bördelung gleichmäßiger und man verhindert, dass mit einem ungezielten Hammerschlag die Bördelung geplättet wird. Dann biegt man das gesamte Blech zu einem „Rohr“. Das gelingt gleichmäßig, wenn man das Blech um immer kleinere, runde Gegenstände legt.

5. Schritt

Nun kann man die beiden Teile mit Löchern versehen und vernieten. Wenn man ein Loch nach dem anderen bohrt und die Teile erstmal mit Schrauben fixiert, kann wenig schiefgehen.
Nach dem Nieten nochmal alle Überlappungen platt hämmern, damit der Topf möglichst dicht und spannungsfrei wird.

In unserem Beispiel war die Seitenwand zu kurz und passte nur auf Stoß, deswegen haben wir ein weiteres Blech eingefügt.

6. Schritt

Nun kann man entweder 2 weitere Löcher für den Henkel bohren oder man befestigt Halter dafür. Der Henkel selber wird aus einem Vierkant- oder Rundstab gebogen/geschmiedet.

In unserem Beispiel haben wir geschmiedete Halter angebracht, in die der Henkel eingehängt werden kann.

7. Schritt

Für den Deckel kann man ein Hartholzbrett auf den gewünschten Radius schneiden. Entweder macht man den Rand konisch, so dass der Deckel wie ein Korken funktioniert oder man schnitzt eine Kerbe hinein, sodass er einen guten Sitz hat.
Als Griff für den Deckel entweder ein Holzstück aufnageln oder in der Mitte des Deckels ein Lederbändchen durch ein Loch stecken und verknoten.
Den Deckel sollte man stets gut einölen, genau wie die Topfinnenseite.

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8. Schritt

Bevor man nun in dem Topf kochen kann, muss er noch abgedichtet werden. Das geht am besten und authentisch mit Haferschleim. Einfach eine ordentliche Portion zarte Haferflocken und Wasser im Topf kochen. Wir geben immer noch ordentlich Zucker dazu, was die Verkrustung in den Fugen fördert. Zunächst wird außen aus den kleinen Fugen noch Haferschleim quellen, aber mit der Zeit brennt dieser in den Spalten fest und dichtet den Topf ab. Das, was am Ende außen am Topf klebt, kann man wegputzen.

Topfausbrand

Nun ist der Topf fertig für den Gebrauch.

(Immer ordentlich Öl im Topf lassen!)

Glasperlen

In vielen frühmittelalterlichen Gräbern wurden Perlen aus buntem Glas und anderen Materialien wie Bergkristall, Bernstein oder Karneol gefunden. Glasperlen kommen in den verschiedensten Größen, Formen, Farben und mit bunten Mustern versehen vor.

Wie stelle ich selbst eine Glasperle her und was brauche ich dafür?

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1.    BRENNER

Zunächst benötigt man einen Gasbrenner zum Erhitzen des Glases. Da kann man getrost einen Gaskartuschenbrenner aus dem Baumarkt verwenden. Mit ihm kann man die ersten Perlen drehen, allerdings werden diese nicht allzu riesig ausfallen, da der Brenner etwas schwach ist und man für größere Perlen einfach einen stärkeren Brenner benötigt. Zudem sollte man darauf achten, dass das Glas einen hohen Ausdehnungskoeffizienten besitzt. Je größer der AK, desto niedriger die aufzubringende Schmelztemperatur. Beim Nutzen eines Brenners im Zimmer sollten immer die Fenster offen gehalten werden, um einen Sauerstoffmangel zu verhindern.

2.    GLASSTÄBE

Die Glasstäbe sollten am besten einen AK von 104 haben. Ich habe gute Erfahrungen mit Effetre gesammelt. Das Internet bietet da eine hohe Auswahl verschiedener Firmen. Die Stäbe kann man auch selbst herstellen, um wirklich authentisches Glas herzustellen, aber das ist ein entschiedener Mehraufwand.
Wichtig zu wissen ist noch, dass Gläser mit unterschiedlichen AKs nicht zusammen in einer Perle vorkommen sollten, da diese dann schnell platzt.

Hier eine Liste von Firmen mit den AK ihrer Glasstäbe:

-Moretti AK 104
-Lauscha AK 100-102
-Ornela Bohemia AK 104-110
-Ornela Perl AK 100-105
-Satale Sodaglas 113
-Satake Bleiglas AK 120
-Bullseye AK 90-92
-Boro/Borosilicatglas AK 32

3.    DORNE (PERLENDREHSTÄBE)

Perlendorne sind die Stäbe, auf die das flüssige Glas aufgewickelt wird. So entsteht beim Entfernen des Dorns nach dem Abkühlen das Loch in der Perle, durch das man später ein Band ziehen kann. Daher sollte man vor dem eigentlichen Drehen der Perle wissen, welche Fädellochgröße gebraucht wird, um den Dorn mit dem passenden
Durchmesser auswählen zu können.
Ein Dorn kann auch aus einer Radspeiche gebaut werden. Wichtig ist dabei, dass es sich um Edelstahl handelt und nicht um verzinkte, sonst lösen sich gesundheitsgefährdende Dämpfe beim Erhitzen des Stabes. Man sollte außerdem darauf achten, dass die Dorne entgratet sind, damit man die fertige Perle anschließend auch noch gut vom Stab runter bekommt, ohne sie zu zerstören.
Natürlich können diese Dorne (eng. mandrels) auch im Glasperlenbedarf gekauft werden. Es gibt auch noch eine Menge Spezialdorne in verschiedenen Formen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehe. Für die ersten Schritte sollte ein 6er Satz Dorne mit ca. 1,5 mm Durchmesser ausreichen.

4.    TRENNMITTEL

Vor dem Perlendrehen wird der Dorn in ein flüssiges Trennmittel getaucht, um später die aufgewickelte Perle nach dem Abkühlen auch wieder vom Dorn runter zu bekommen.
Im Trennmittel sind bestimmte tonartige Stoffe enthalten. Diese sind im zäh-flüssigen Zustand (mit destilliertem mit Wasser angerührt)  in der Lage den Dorn gut zu umschließen. Wenn sie ausgehärtet sind, werden sie in der Flamme glühend erhitzt. Dann kann man darauf das heiße Glas aufbringen, die Perle drehen und sie nach dem Abkühlen durch vorsichtiges Abbröseln und Drehen der Perle wieder vom Dorn lösen.

5.    KÜHLGRANULAT

Wenn man fertig mit dem Drehen ist, sollten die Perlen langsam im Kühlgranulat abkühlen. Kühlgranulat hat gute wärmeisolierende Eigenschaften und verhindert so, dass die Perle zu schnell abkühlt und dann platzt.
Die Abkühlkurve sollte länger sein als bei Luftabkühlung.
Bei dem Granulat handelt es sich um Vermiculit. Das muss man auch nicht teuer vom Hobbybedarf erstehen, sondern kann es auch einfach in einer gut sortierten Zoohandlung kaufen, da es dort zum Warmhalten von Schlangeneiern verkauft wird.
Allerdings sollte man darauf achten, dass es sich um feinkörniges Granulat handelt.
Das Granulat sollte, bevor die Perle zum Abkühlen reinkommt, schon vorgewärmt werden. Das geht mit einem alten Topf auf einer Herdplatte sehr gut. Ich schalte die immer gleich ein, bevor ich überhaupt meinen Brenner anschmeiße.

6.    SCHUTZBRILLE

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Es ist ein weit verbreitetes Gerücht, dass die Arbeit am Eingasbrenner nicht schädlich für die Augen sei. Zu dem warne ich hier auch vorm Benutzen einer Sonnenbrille, da diese den Schaden an der Netzhaut nur vergrößern würde. Dadurch werden die Pupillen weit gestellt, da so eine Sonnenbrille abdunkelt. Leider schirmt sie nicht die schädlichen Lichtstrahlen ab. Diese haben es dann umso leichter, durch die vorgeweiteten Pupillen einzudringen und die Netzhaut unwiederbringlich zu schädigen. Die Schutzbrille ist für Eingasbrenner eine AV 2000 ACE Filter- und Schutzbrille. Sie schützt auch vor umher fliegenden Glassplittern und bewirkt einen besseren Blick auf die Perle. Die Anschaffung ist ab ca. 75€ einer der größeren Kostenfaktoren beim Start mit der Perlenherstellung, ist aber sehr sinnvoll.

7.    FEUERFESTE UNTERLAGE

Das kann auch ein altes Backblech sein. Es geht nur darum, nicht seine halbe Wohnung abzufackeln und Brandflecken auf dem Tisch zu vermeiden.

8.     WERKZEUG

Da man am Anfang von den ganzen Anschaffungen erstmal ziemlich finanziell geschlaucht ist, kann man sich vorerst mit Werkzeug zufrieden geben, das sich im Haushalt finden lässt.:
– Eine Pinzette zum Verformen des heißen Glases.
– Ein Becher Wasser zum Abkühlen, damit die Pinzette nicht irgendwann am Glas hängen bleibt.
– Ein in Form geschnitzter Bleistift, denn an Graphit haftet Glas schwerer als an Metall und ist daher gut für Verziehungen von 2 Glasfarben ineinander geeignet.
-ein altes Messer zum walzenförmigen Ausrollen der Perle oder ein Graphitspatel.

DAS DREHEN EINER PERLE

Wenn man nun den alles zusammen hat, kann man endlich anfangen. Fenster auf! Brenner an! Los geht’s!

Der Dorn mit (vorher oder währenddessen) angetrocknetem Trennmittel in die Flamme gehalten, um ihn zu Erhitzen. Dabei wird er ab und zu gedreht, um ihn überall gleich zu erhitzen.
Gleichzeitig wird der Glasstab in der weiter entfernten Flamme vorgewärmt und langsam zu der stärker blau leuchtenden näher gelegenen Flamme  geführt. Wenn das Ende des Stabes zu glühen anfängt und sich leicht verformt, kann es vorsichtig auf den schon vorerhitzten Dorn aufgewickelt werden.
Falls das Glas noch nicht haften sollte, ist entweder der Dorn oder das Glas noch zu kühl. In beiden Fällen einfach noch ein bischen in der Flamme erhitzen und erneut versuchen.
Haftet das Glas am Dorn, wird der Dorn langsam gedreht. Das Glas bleibt dabei weiter in der Flamme und müsste sich leicht um den Dorn wickeln lassen – ähnlich  wie Honig um einen Löffel.
Das macht man so lange, bis man die gewünschte Größe der zukünftigen Perle erreicht. Durch leichten Zug am Glasstab wird dieser immer dünner und man kann ihn von dem Perlenrohling entfernen. Am besten legt man den noch heißen Stab zum Abkühlen auf eine feuerfeste Unterlage und so weit weg, dass man sich später nicht aus Versehen daran die Finger verbrennen kann.
Nun ist ein gleichmäßiges Drehen der Perle nötig, um sie in die richtige Form zu bringen.
Als Merkregel gilt: Das Glas folgt der Schwerkraft und der Flamme. Also kann man einfach unrunde Stellen mit der Flamme von unten bearbeiten und das Glas wird dorthin wandern.
Natürlich kann man die Perle auch noch verzieren. Dazu kann man zum Beispiel kleine Punkte aus anderem farbigen Glas aufsetzen oder Linien ziehen. Diese kann man später auch noch mit der Bleistift oder, wenn man hat, einem Verziehhaken verziehen. Auch das Formen mit einem Messer oder einer Pinzette ist möglich. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Bilderstory Step by Step

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Anwärmen

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Anfangen zu wickeln

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Eine Perle entsteht

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Weiter wickeln für dickere Perlen

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Walzenförmig ausrollen

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Plattgewalzt

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Pünktchen in einer anderen Glasfarbe auftupfen

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und glattschmelzen

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Bleistift nehmen

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Grübchen reinpiksen

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Noch eine Schicht durchsichtiges Glas als Überfang auftragen (dadurch werden aus den Grübchen Lufteinschlüsse)

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Schön mittig

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Rund schmelzen

fertig

Fertige Perlen