Ive und Roman

mit Gero

Eigentlich ist der Esko an allem schuld. Warum musste er uns auch zeigen, wie viel Spaß das Basteln macht und uns mit auf nen Mittelaltermarkt schleppen? Dafür wurden in einer Nacht-und Nebel-Aktion Klamotten genäht und der Rest irgendwie zusammengeliehen und improvisiert – und zwei neue Wikis waren geboren.

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Von da an hatten wir Blut geleckt und verwenden nun einen Großteil unserer Freizeit zur Anfertigung von Kleidung und Ausrüstung oder dem Kampftraining.
Da Ivonne irgendwie mit ihrer Kamera verwachsen ist, hat die Gruppe nie Mangel an Fotos.
Wir stellen ein Paar um 970 n.Chr. in der Gegend um Birka/Sigtuna dar. Unsere Hündinnen Nike und Nori sind meistens dabei und fassen immer reichlich Streicheleinheiten beim Rest der Gruppe ab. Uns hat es von Göttingen in den hohen Norden nach Ostfriesland verschlagen, wo wir bei der Fechtergilde Aurich trainieren.

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Was andere über uns sagen

Acki: Das ist so typisch für euch: Wenn ihr was macht, dann zieht ihr es aber auch durch.

Esko

Angefangen mit dem Hobby habe Ich dank Acki, der mich vom Sportfechten zummittelalterlichen Freikampf herüber brachte. Innerhalb von einem paar Tagen schneiderte Ich mir meine erste Ausrüstung und nahm an meinem ersten Mittelaltermarkt teil. Nach 4 Monaten war Ich das erste Mal in Moesgård als Kämpfer und im folgenden Herbst gemeinsam mit dem FFC in Hastings auf dem Schlachtfeld. Mittlerweile stelle Ich einen Ruswikinger oder einen Haitabu Wikinger um das Jahr 1000 n.Chr. dar. Ziele: Im Jahr 2066 In Hastings auf dem Schlachtfeld stehen. Ich hab da ne Verabredung. 😉

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Was andere über mich sagen

Annette: „Du bist einfach zu finden, du bist dünn und redest viel.“

Alina

Ende 2015 war ich ganz einfach auf der Suche nach einem neuen Sport für mich und fand vom Sportverein aus das mysteriöse Angebot „Freikampf“. Also bin ich spontan zum nächsten Trainingstermin gegangen, um mir das einmal anzuschauen. Dort bekam ich dann von den Männern sogleich ein Sax in die Hand gedrückt und die Grundschläge beigebracht. Von dieser freien und kreativen Art zu Kämpfen war ich sofort begeistert. Als ich später erfuhr, dass zu dem sportlichen Teil auch das Reenactment gehört, und ich auf die ersten Lager mitfahren durfte, entpuppte es sich als das perfekte Hobby für mich. Mein Faible für Geschichte wurde bedient und ich fand in den Mitgliedern der Trainingsgruppe wunderbare Freunde.

2017 wurde ich dann bei Haukstaldir aufgenommen und habe angefangen auch mit dem Zweihandspeer zu kämpfen.

Auf dem Schlachtfeld stehe ich in einfacher Männerkleidung und im Lager trage ich Frauenkleidung, die an Funden aus Birka orientiert ist.

Krapp

Man nehme:

10 Liter Wasser
500g getrocknete Krappwurzel
200g Alaun

Ich hatte vier locker abgebundene Wollstränge, ein Tuch Seide und einen kleinen Rest Leinenstoff – einfach um mal zu schauen, wie das Ergebnis bei so unterschiedlichen Materialien wird. Zwei Wollstränge ließ ich ungebeizt, die anderen beiden schwammen mit den restlichen Textilien eine Stunde in der Beize.

Nach dem Umschütten des Topfinhalts zum Abkühlen in eine Wanne, wurde der Färbetopf für die Färbung hochgeheizt und die beiden ungebeizten Wollstränge von Anfang an hineingelegt. Bei Wolle muß man immer drauf achten, daß sie keine starken Temperaturwechsel mitmacht, sonst filzt sie sofort.

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In der Beize

Nachdem Wanne und Topf etwa die gleiche Temperatur hatten, wurden Leinen, Seide und die beiden gebeizten Wollstränge in den Färbetopf umgelagert und das Färbemittel hineingehängt. Ich hatte alles in einem Beutel aus feinem Gardinenstoff. So kriegt man alles nachher unkompliziert sauber.

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Das Ganze kochte wieder etwa eine Stunde, wobei ich die Seide nach 30 Minuten herausnahm und zum Schluß noch einmal 10-15 Minuten in den Topf gab, als er auf 80 Grad runtergekühlt hatte.

Das Färbegut wurde nach dem Abkühlen zum Trocknen im Freien an einen schattigen Platz gehangen und am nächsten Tag mit Essigwasser fixiert.

Wie man sieht, nimmt die vorgebeizte Wolle (rechts im Bild) eine sattere Farbe an, die ungebeizte wurde ein orangerot. Die Seide erhielt ebenfalls einen wunderschönen Orangeton. Das Leinen nahm erwartungsgemäß nur schwer Farbe an und wurde eher rosa.

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ungebeizt (links) und vorgebeizt (rechts) im Vergleich
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Seide
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Leinen

Zwiebel

Zwiebel – gelb/orange

Zwiebelschalen 24h vor dem Färben in Wasser einweichen. Am nächsten Tag locker abgebundene Wollstränge einlegen und zum Kochen bringen. Für eine Stunde leicht köcheln lassen, ab und zu umrühren. Stränge herausnehmen und ausdrücken. Zum Trocknen aufhängen und dabei etwas ausschütteln, damit die Zwiebelschalen abfallen.

Wer mag kann mit dem restlichen Sud einen zweiten Färbegang durchführen. Dabei die noch trockene Wolle vorher mit Wasser anfeuchten und zwar mit kaltem Wasser beginnen und dies langsam immer heißer werden lassen, damit die Wolle beim Tauchbad in der heißen Färbeflotte keinen Schock bekommt.

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Am nächsten Tag mit Essigwasser fixieren, wieder trocknen lassen und zu Knäulen wickeln.

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Ergab einen rostigen Orangeton. Mit Alaun vorgebeizt soll der Farbton heller und eher gelblich werden.

Herstellung Eisen(II)chlorid

Herstellung der Eisen(II)chloridlösung (für Erfahrene):

Sicherheitshinweise:

– Es wurde mit konzentrierter Salzsäure gearbeitet. Das Wissen über den sicheren Umgang mit starken Säuren und Laugen ist dringend notwendig!
unbedingt auf Augenschutz achten!
Es werden kleine Mengen Chlorwasserstoff frei. Reaktion im freien oder bei guter Lüftung durchführen!

Während des Färbens haben wir nebenbei Eisen(II)chlorid hergestellt, indem wir Eisenwolle in konzentrierter Salzsäure aufgelöst haben.
Dazu wurde in einem 500 mL Erlenmeyerkolben Stahlwolle mit ca. 150 mL konzentrierter Salzsäure übergossen.
Am Anfang reagiert das Gemisch recht heftig und es besteht die Gefahr, dass es überschäumt. Es sollte daher ein Neutralisationsmittel bereitgehalten werden. (Waschsoda oder Haushaltsnatron ist hier das Mittel der Wahl, da es im Notfall auch zur Dekontamination der Haut geeignet ist)

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Sicherheit beachten!

Es wurde regelmäßig Stahlwolle nachgegeben, sodass die Flüssigkeit möglichst viel Kontakt zum Eisen hat. (Achtung, das Gemisch kann sich erwärmen)
Zum Ende hin, als die Reaktion nur noch langsam lief, wurde das Gemisch kurz zum Sieden erhitzt, um die Reaktion wieder zu beschleunigen. Nach dem vollständigen Abkühlen wurde der pH-Wert der Eisenlösung mit einem Indikatorpapier gemessen. Bei vollständiger Umsetzung sollte die Lösung neutral geworden sein. Ansonsten muss sie nochmals erhitzt werden und nach Möglichkeit nochmals mit frischem Eisen versetzt werden.

Jetzt kann unreagierte Stahlwolle aus der Lösung entfernt werden. Sie sollte allerdings noch mit Wasser ausgespült werden, da in ihr sehr viel Eisen(II)chlorid auskristallisiert ist.

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Stahlwolle und auskristallisiertes Eisen(II)chlorid

Die grüne Lösung aus dem Erlenmeyerkolben kann direkt verdünnt werden und zur Nachentwicklung der gefärbten Wolle verwendet werden.

Alternativ kann man die Lösung natürlich auch eindampfen und das Salz für später aufheben. Die Lösung sollte allerdings nicht zu lange aufgehoben werden, da Eisen(II)chlorid in Lösung nicht stabil ist. Es wird durch Luftsauerstoff recht schnell zu unlöslichen Eisen(III)-Salzen oxidiert.

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Die fertige Lösung

Die Reaktion lässt sich übrigens genauso mit verdünnter Salzsäure durchführen, was allerdings länger dauert.

Birke

Färben mit Birke – gelb und grün

Für unseren Färbetag wurden zuerst am Abend vorher 200 g getrocknete Birkenblätter in Wasser eingeweicht.

Die verwendete Sockenwolle wurde mit Alaun vorgebeizt. Dazu wurde die Wolle locker abgebunden, mit Alaun (Kaliumaluminiumsulfat, 1 g pro 50 g Wolle) in einen Topf gegeben und mit soviel Wasser bedeckt, dass sich die Wolle gut schwenken ließ. Die Wolle wurde eine Stunde lang in der Beize gekocht und nach dem abkühlen ausgewaschen.

Für das eigentliche Färben wurde die gebeizte Wolle gemeinsam mit den eingeweichten Birkenblättern erneut eine Stunde lang gekocht und nach dem Abkühlen ausgewaschen und von Blätterresten befreit.

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Die „Färbesuppe“ im Topf

Einige der Stränge wurden anschließend noch mit einer selbst hergestellten Eisen(II)-Lösung nachbehandelt, wodurch sie eine grüne Färbung bekamen.
Die gelben und noch feuchten Wollstränge wurden kurz in die Eisen(II)-Lösung getaucht, geschwenkt und wieder herausgeholt, wenn sie den gewünschten Farbton hatten. Diese Reaktion verläuft sehr schnell, weshalb man bei helleren Grüntönen sehr aufpassen muss.
Wir haben ein Video davon gedreht, wie schnell die Farbänderung stattfindet.

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Das Ergebnis des Tages waren 5 gelbe und 7 grüne Wollstränge.

Besenheide/Erika

Färben mit Besenheide/Erika

Anleitung und Färbeablauf siehe Färberginster!

Hier wurde nach der ersten Stunde Kochzeit die Hälfte der Stränge entfernt und in den Färbesud rostige Metallgegenstände (Nägel, Metallkette) gegeben. Es wurde erneut eine Stunde gekocht und ab und zu umgerührt. Durch das Nachentwickeln mit Eisenoxid (Rost), ergaben sich Grüntöne. Wir erhielten bei unserem Versuch ein blasses und ein kräftigeres Mittelgelb sowie (trotz identischer Wolle und Behandlung) zwei verschiedene Grüns- ein zartes Lindgrün und ein etwas kräftigeres Khaki. Theoretisch hätte man mit diesem einen Farbansatz auch noch eine dritte und vierte Farbe färben können, indem man jeweils noch ungebeizte Stränge mitfärbt. Dabei würden sicherlich noch andere Gelb- und Grün-Nuancen entstehen.

Die verschiedenen Farbnuancen im Vergleich

Färberginster

Färben mit Färberginster

Zwei Tage vor dem Färben wurde der kleingeschnippelte Färberginster in Wasser eingeweicht und einmal kräftig aufgekocht. Idealerweise verwendet ihr dazu am besten einen Stoffbeutel, in dem sich die Pflanzenteile befinden (zusammengenähte Gardinenreste haben sich bewährt), sonst müßt ihr nachher den ganzen Kleinkram wider aus der Wolle zupfen. Das Beizen der Wolle erfolgte am Färbetagmit Alaun. Dazu Alaun (Weinstein-> Apotheke oder Internethandel) in Wasser auflösen, die Wollstränge abgebunden hineinlegen und aufkochen. Wenn alles kocht, den eigentlichen Farbsud wieder zum Kochen bringen, gegebenenfalls noch etwas Wasser aufgießen. Die Stränge sollen nachher bedeckt sein und Platz zum „Schwimmen“ haben. Die Wolle mindestens eine Stunde, eher 1,5 h beizen. Dann prüfen, ob beide Pötte (Alaunbad und Färbebad) etwa dieselbe Temperatur haben, Wollstränge aus dem Alaunbad herausnehmen, etwas abtropfen lassen und ins Färbebad legen. Das Alaunwasser kann für einen zweiten Beizdurchgang beim nächsten Färbetag genutzt werden. Oder ihr macht gleich noch ne Runde! Wollstränge gleichmäßig in den Sud drücken und nun erneut kochen lassen, mindestens wieder eine Stunde, gern auch länger. Färben ist keine genaue Wissenschaft, schaut einfach ab und an nach und rührt ein wenig um. In der Zwischenzeit kann man was anderes machen, neben dem Topf muss man jedenfalls keine Wache postieren. Seid ihr mit der Farbe zufrieden, lasst den Topf mitsamt der Wolle abkühlen bis man sich die Finger nicht mehr verbrennt, nehmt sie heraus, ausdrücken und aufhängen zum Trocknen. Am nächsten Tag in Essigwasser fixieren, trocknen und aufwickeln. Ergab ein strahlendes, klares Hellgelb.

Wolle im Topf
Das fertige Ergebnis

Über unser Training

Wir trainieren bei unserem Training den Kampf mit frühmittelalterlichen Stahlwaffen (Wikingerzeit).

Das besondere bei unserem Training im Vergleich zu vielen anderen deutschen Gruppen ist, dass wir die Schlaghärte sehr reduzieren und uns auf eine saubere, kontrollierte Technik konzentrieren.

Für das Training werden daher nur Handschuhe dringend benötigt (dickere Winterhandschuhe reichen am Anfang aus). Gelenkschoner für Knie und Ellenbogen z.B. aus dem Inlinersortiment und ein Genitalschutz sind zu empfehlen, aber kein Muss. Ein Unterarm- und Schienbeinschutz, sowie Brustschutz bei Frauen sind auch praktisch zu haben, wenn man sich entschieden hat, den Sport etwas länger zu betreiben. Es geht aber auch ohne.

Wir trainieren bewusst ohne Helm!

Ein mancher mag sagen, dass das doch recht gefährlich sei und man sich sehr schnell verletzen könne.

Und durchaus stimmt das auch, wenn man nicht darauf trainiert ist, seine Schläge präzise zu setzen. Es ist daher unser absolut oberstes Ziel, Neulingen die notwendige Präzision und Ruhe beizubringen. Dadurch, dass der Kopf ungeschützt ist, besteht sofort die unmittelbare Notwenigkeit, seine Schläge zu kontrollieren. Ein behelmter Gegner würde einige kleinere Headshots weitaus besser tolerieren und man würde etwas lascher mit der Regelung umgehen. Doch das verfehlt dann den gewünschten Trainingsinhalt.

Am Anfang trainiert ein Neuling aus diesem Grund auch stets nur mit einem erfahreneren Kämpfer, der seinen Kopf im Zweifelsfall verteidigen kann. Neulinge kämpfen bei ihren ersten Trainings in der Regel noch nicht gegeneinander. Oder anders gesagt, jeder Neuling wird am Anfang einem Erfahrenen zugeteilt und bekommt ein persönlich abgestimmtes Training, das genau auf Schwächen und Stärken eingeht.

Das ganze klingt jetzt recht streng und langwierig. Tatsächlich sorgt diese Handhabung aber für eine sehr steile Lernkurve am Anfang. Neulinge können im Normalfall spätestens beim dritten Training an Gruppenkämpfen teilnehmen.

Streng sind wir außerdem nur bei Sicherheitsangelegenheiten. Ansonsten herrscht beim Training eine ausgesprochen lockere Atmosphäre. Es wird viel gescherzt, viel gelacht und niemand wird zu irgendetwas gezwungen: Die intensität des Aufwärmtrainings bestimmt jeder selber, es gibt keine „Strafliegestütze“ für zu viel Quasseln/Zuspätkommen/… , niemand wird zu irgendwelchen Übungen gezwungen, auf die er gerade keine Lust hat und es gibt ausschließlich konstruktive Kritik. Das Training soll schließlich Spaß machen!